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1. FREI-LUFT-AUSSTELLUNG

Samstag 8.7.2023 ab 14:00

Mauerpark, Eingang Bernauer Straße

Gezeigt werden Bilder von Christian Schanze und Dima Dobrovolskij

Titel der Ausstellung : "Beziehungsweise"

Die Künstler und die Kuratorin sind anwesend und möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen.

Der Eintritt ist frei.

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Rede zur Eöffnung der Vernissage Liebe Gäste, Es ist mir eine große Freude sie hier und heute zur Vernissage der Ausstellung „Lust im Prinzip - von der Scham zum Vergnügen„ von Christian Schanze begrüßen zu können. An dieser Stelle möchte ich mich auch gleich bei Ekkehart Opitz vom EAM herzlich bedanken, dass er uns eingeladen hat. Ich bin Birgit Woide und habe Christian Schanze als Kuratorin, Ausstellungsmacherin und seine Galerist beraten und unterstützt. Gestatten sie mir ein paar einleitende Worte zum Thema und Anliegen dieser Ausstellung. Der Titel greift den Begriff des Lustprinzips von Siegmund Freud auf. Stark verkürzt bedeutet das folgendes: Der triebhafte Teil unserer Persönlichkeit, das so genannte „ES“, strebt nach sofortiger Befriedigung seiner elementaren Bedürfnisse, z. B. Hunger, Durst, Schlaf und eben auch der sexuellen Lust. Er gerät dabei häufig, in Konflikt mit unseren verinnerlichten moralischen Vorstellungen, die Freud als Über-Ich bezeichnet. Aus diesem Konflikt entsteht ein Un-Lustgefühle, was wir vermeiden wollen. Wir unterdrücken also entweder unsere Bedürfnisse, oder wir erfüllen sie uns und haben dann ein Problem mit unserem Gewissen. Ich glaube jeder von uns kennt dieses Dilemma und hat seine Art, damit umzugehen entwickelt. In den Werken die hier zu sehen sind, setzt sich Christian Schanze genau mit diesen so ambivalenten Gefühlen, im Kontext von Beziehung, Liebe, Erotik, Lust, der Suche nach körperlicher und sexueller Identität und den damit verbundenen positiven, wie negativen Gefühlen auseinander. Seine künstlerische Sprache ist leidenschaftlich, provokant und humorvoll zugleich. Neben der ganz individuellen Bedeutung, hat dieses Thema unserer Meinung nach auch eine gesellschaftliche Relevanz. Nacktheit und Sexualität sind in unserer Medienlandschaft allgegenwärtig. „Sex sells“. Bücher und Filme die das Thema Sexualität verhandeln, stoßen auf großes Interesse. Ich erinnere hier an „Fifty shades of gray“, aber auch Filme wie „Die Klavierspielerin“ und ein ganz aktuelles Beispiel von der Berlinale „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“. Die Liste könnte beliebig verlängert werden. Die Möglichkeit seine Geschlechtszugehörigkeit zu bestimmen und differenziert sich immer weiter aus.die „Sex-Positiv-Bewegung“ findet zunehmend Anhänger. Aber es gibt nach wie vor Diskriminierung insbesondere von weiblicher Sexualität und der von Minderheiten. Um nur ein Beispiel zu nennen, eine weibliche Brustwarze darf immer noch nicht in der Öffentlichkeit oder in den sozialen Medien gezeigt werden. Verstöße dagegen werden mit Verbannung von der Plattform belegt. Aus Zensur wird so schnell Selbstzensur. Selbst weltbekannte Kunstwerke z. B. Von Egon Schiele sind betroffen. Aus Protest haben mehrere Wiener Museen gemeinsam einen Account auf der Plattform „OnlyFans eröffnet“, der in erster Linie für „nackte Tatsachen“ bekannt ist, um dort ihre Werke zu präsentieren und auf das Problem aufmerksam zu machen. Wer bestimmt eigentlich, was „anstößig“ ist und was „das öffentliches Ärgernis erregt“ und was „gegen die guten Sitten“ verstößt? Ich beobachte mit Besorgnis ein Erstarken rückwärts gewandter Kräfte, die die liberalen Errungenschaften diskreditieren und angreifen. Jetzt aber zurück zu den Bildern und Objekten von Christian Schanze. Er beherrscht viele künstlerische Techniken, hat sich dann aber 2015 ganz auf die Technik der analogen Collage mit Papier verschrieben. Er benutzt bedrucktes Papier wie ein Maler seine Farbpalette. In den vorangegangenen Serien waren es Berliner Kulturplakate, jetzt dagegen Fotos aus verschiedensten Magazinen, Kalendern und Katalogen, von denen wiederum ein Großteil auf Streifzügen durch die Stadt entdeckt und gesammelt wird. Dabei sind der Umsetzung seiner inneren Bilder, anders als in der Malerei, durch das zur verfügungsstehende Material Grenzen gesetzt. Das beharrliche Suchen, nach dem, den Vorstellungen am Ehesten entsprechenden Bildteil, führt durch die Fülle des Bildmaterials und das Momentum des Zufall immer wieder zu überraschenden Lösungen. Sein Bestreben ist es, durch den Einsatz von Perspektive, Verwendung von Licht und Schatten, Farbigkeit und die Platzierung der Figuren eine intensive räumliche und sogar naturalistische Wirkung zu erzielen und diese dann gleichzeitig mit einer magischen Realität zu verschmelzen. Je nach Größe und Komplexität dauert die Fertigstellung eines Werkes 1 Woche bis mehrere Monate. Manch einen Besucher wird es verwundern, warum hier nicht die Originale sondern limitierte Prints gezeigt werden. Das liegt daran, dass die Originalarbeiten unter dem Einfluss von Tageslicht schnell und unwiederbringlich leiden würden. Denn das verwendete Material ist nicht für eine lange Lebensdauer und Lichtbeständigkeit ausgelegt. Außerdem können so Klebeprozess bedingte Unebenheiten ausgeglichen werden. Trotzdem bleibt die Charakteristik der Papiercollage erhalten. Das Original ist sozusagen der „Druckstock“. Vielleicht fühlt sich der Ein oder Anderen von Ihnen, an Werke Alter Meister erinnert. Das ist kein Zufall, denn Christian Schanze setzt sich im Kontext seines Themas immer wieder mit berühmten Werken der Kunstgeschichte vom Mittelalter bis zum Barock, aber auch mit Mythen, Sagen, biblischen Texten, Musikstücken und literarischen Vorlagen auseinander. Ich bin mir sicher, dass die hier ausgestellten Werke keinen Betrachter unberührt lassen und zur Auseinandersetzung über die eigene Sexualität und die damit verbundenen ambivalenten Gefühle anregen. Schauen sie genau hin, es lohnt sich, denn es gibt viele interessante und humorvolle Details zu entdecken und sprechen sie uns gerne an, wenn sie nähere Erläuterungen zu einzelnen Bildern haben möchten, das würde uns sehr freuen. Danke für ihre Aufmerksamkeit!

Speech at the opening of the vernissage Dear guests, It is a great pleasure for me to welcome you here today to the opening of the exhibition "Lust im Prinzip - von der Scham zum Vergnügen" by Christian Schanze. At this point I would like to thank Ekkehart Opitz from the EAM for inviting us. I am Birgit Woide and I have advised and supported Christian Schanze as curator, exhibition organizer and his gallerist. Allow me to say a few introductory words about the theme and concern of this exhibition. The title takes up Siegmund Freud's concept of the pleasure principle. Strongly shortened it means the following: The libidinal part of our personality, the so-called "ES", strives for immediate satisfaction of its elementary needs, e.g. hunger, thirst, sleep and sexual desire. In doing so, it often comes into conflict with our internalized moral concepts, which Freud calls the superego. From this conflict arises an un-pleasure, which we want to avoid. So we either suppress our needs, or we fulfill them and then have a problem with our conscience. I think each of us knows this dilemma and has developed his own way of dealing with it. In the works on view here, Christian Schanze deals precisely with these so ambivalent feelings, in the context of relationship, love, eroticism, lust, the search for physical and sexual identity and the associated positive and negative feelings. His artistic language is passionate, provocative and humorous at the same time. In addition to the very individual meaning, we believe this theme also has a social relevance. Nudity and sexuality are omnipresent in our media landscape. "Sex sells." Books and films that deal with the topic of sexuality are met with great interest. I remind you of "Fifty shades of gray", but also films like "The Piano Player" and a very recent example from the Berlinale "Someday we will tell each other everything". The list could be extended at will. The possibility to determine one's gender is becoming more and more widespread and differentiated.the "sex-positive movement" is gaining more and more followers. But discrimination still exists, especially against female sexuality and that of minorities. To give just one example, a female nipple is still not allowed to be shown in public or on social media. Violations of this are punishable by banishment from the platform. Censorship thus quickly becomes self-censorship. Even world-famous works of art, e.g. by Egon Schiele, are affected. In protest, several Viennese museums have jointly opened an account on the platform "OnlyFans," which is primarily known for "naked facts," in order to present their works there and draw attention to the problem. Who actually determines what is "offensive" and what "causes public nuisance" and what is "against morality"? I observe with concern a strengthening of backward-looking forces that discredit and attack liberal achievements. But now back to the pictures and objects of Christian Schanze. He has mastered many artistic techniques, but then in 2015 devoted himself entirely to the technique of analog collage with paper. He uses printed paper like a painter uses his color palette. In previous series, it was Berlin cultural posters, now, however, photos from a wide variety of magazines, calendars and catalogs, much of which is in turn discovered and collected on forays through the city. In contrast to painting, the material available limits the realization of his inner images. The persistent search for the part of the picture that most closely corresponds to his ideas leads, through the abundance of pictorial material and the momentum of chance, time and again to surprising solutions. His ambition is to achieve an intense spatial and even naturalistic effect through the use of perspective, use of light and shadow, coloration and the placement of the figures, and then at the same time merge them with a magical reality. Depending on the size and complexity, it takes from 1 week to several months to complete a work. Some visitors will be surprised why limited edition prints are shown here instead of the originals. This is because the original works would quickly and irretrievably suffer under the influence of daylight. This is because the material used is not designed for long life and light resistance. In addition, this allows unevenness caused by the gluing process to be evened out. Nevertheless, the characteristics of the paper collage are preserved. The original is the "printing block", so to speak Perhaps one or the other of you feels reminded of works of old masters. This is no coincidence, because Christian Schanze deals in the context of his topic again and again with famous works of art history from the Middle Ages to the Baroque, but also with myths, legends, biblical texts, pieces of music and literary models. I am sure that the works exhibited here will leave no viewer untouched and will stimulate discussion about one's own sexuality and the ambivalent feelings associated with it. Look closely, it is worth it, because there are many interesting and humorous details to discover and talk to us if you would like to have more detailed explanations to individual images, we would be very happy. Thank you for your attention!

Blick in die Ausstellung
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